SECAM
SECAM steht für Séquentiel Couleur à Mémoire. Der SECAM-Fernsehstandard diente als analoges Farbfernsehsystem vor allem in Frankreich, in der Sowjetunion und in zahlreichen afrikanischen Ländern. Die SECAM-Norm definiert die Übertragung analoger Fernsehsignale mit 625 Zeilen und 25 Vollbildern pro Sekunde. Henri de France entwickelte das Verfahren in den frühen 1960er Jahren. Anders als PAL und NTSC überträgt das System die Farbinformation nicht gleichzeitig, sondern sequentiell – Zeile für Zeile, abwechselnd.
Entwicklung und Geschichte des SECAM-Systems
Die SECAM-Entwicklung begann in den späten 1950er Jahren. Henri de France, Ingenieur bei der Compagnie Française de Télévision (CFT), suchte nach einem Farbfernsehverfahren mit hoher Robustheit gegenüber Übertragungsstörungen. Sein Ansatz: Statt beide Farbdifferenzsignale gleichzeitig zu senden, überträgt das System pro Zeile nur eines der beiden Signale. Ein Speicher (Mémoire) hält die fehlende Information der vorherigen Zeile fest und ergänzt sie beim Empfänger.
1967 startete Frankreich das reguläre Farbfernsehen mit diesem Standard. Die Sowjetunion übernahm das System im selben Jahr. Politische Allianzen spielten bei der Verbreitung eine große Rolle. Viele Staaten des Ostblocks und ehemalige französische Kolonien in Afrika setzten ebenfalls auf diese Norm. Die Entscheidung fiel oft weniger aus technischen Gründen als vielmehr aus geopolitischen Erwägungen.
Technische Grundlagen und Funktionsweise
Im Zentrum des Verfahrens steht die sequentielle Farbübertragung. Das System trennt das Helligkeitssignal Y von den Farbdifferenzsignalen DR und DB. Pro Bildzeile sendet der Transmitter nur eines dieser Farbsignale. Der Empfänger speichert das Signal der vorherigen Zeile und kombiniert es mit dem aktuellen. Daraus entsteht das vollständige Farbbild.
Der SECAM-Fernsehstandard nutzt Frequenzmodulation (FM) für die Farbübertragung. PAL und NTSC arbeiten dagegen mit Amplituden- und Phasenmodulation. Die FM-Kodierung macht das System robuster gegenüber Phasenfehlern und Signalstörungen. Gleichzeitig erschwert sie die Nachbearbeitung und das Mischen von Videosignalen. Viele Produktionsstudios in SECAM-Ländern arbeiteten deshalb intern mit PAL-Technik und wandelten das Signal erst für die Ausstrahlung um.
Varianten: SECAM-L, SECAM-B/G und D/K
SECAM-L bezeichnet die französische Variante. Frankreich und einige überseeische Gebiete nutzten diesen Standard mit einer spezifischen Kanalrasterung. SECAM-D/K kam in der Sowjetunion und den meisten Ostblockstaaten zum Einsatz. Russland, die Ukraine, Belarus und die zentralasiatischen Republiken gehörten zu diesem Cluster.
SECAM-B/G fand in Teilen Nordafrikas und Westafrikas Verbreitung. Marokko, Senegal, Kamerun und weitere Staaten setzten diese Variante ein. Die Unterschiede zwischen den Varianten betreffen vor allem die Kanalbreite, die Tonträger-Frequenz und das Zeilenraster innerhalb des 625/50-Systems. Die Farbkodierung selbst blieb bei allen Varianten identisch.
Vergleich mit PAL und NTSC
Gegenüber NTSC zeigt die SECAM-Norm eine deutlich höhere Resistenz gegen Farbverfälschungen. Die Frequenzmodulation eliminiert Phasenfehler, die beim NTSC-System zu sichtbaren Farbschwankungen führen können. PAL löst dasselbe Problem durch alternierende Phasenumkehr und erreicht damit ebenfalls stabile Farben.
Der Nachteil des sequentiellen Verfahrens: Die vertikale Farbauflösung halbiert sich gegenüber PAL und NTSC. Da pro Zeile nur ein Farbsignal ankommt, interpoliert der Empfänger die fehlende Information. Bei feinen Farbübergängen fällt dieser Effekt auf. Für die Signalmischung und Studiotechnik eignet sich das System schlechter als PAL, weshalb viele Sender intern auf andere Normen auswichen.
Digitalisierung und heutige Bedeutung
Digitale Standards wie DVB in Europa und DVB-T2 in vielen ehemaligen SECAM-Ländern haben das analoge Farbfernsehen abgelöst. Frankreich schaltete seine analogen Sender bis 2011 vollständig ab. Russland folgte 2019. Die SECAM-Digitalisierung verlief damit später als in vielen PAL-Ländern, da einige Staaten die analoge Infrastruktur länger aufrechterhielten.
Trotz der Abschaltung bleibt die historische Normlogik für Archivmaterial, Katalogtitel und ältere Hardware relevant. Gerade bei Retro-Content und historischen Aufnahmen taucht der Begriff bis heute regelmäßig auf. Das Séquentiel-Couleur-à-Mémoire-Verfahren prägte die Fernsehgeschichte in Frankreich und den ehemaligen Ostblockstaaten über Jahrzehnte und beeinflusste die internationale Filmdistribution nachhaltig.
