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PAL

PAL steht für Phase Alternating Line. Dieses Farbfernsehsystem diente als Standard in weiten Teilen Europas, in Australien und in zahlreichen weiteren Ländern. Die PAL-Norm definiert die Übertragung analoger Fernsehsignale mit 625 Zeilen und 25 Vollbildern pro Sekunde. Walter Bruch entwickelte das Verfahren in den frühen 1960er Jahren bei Telefunken in Hannover. Es löste das Problem der Farbverfälschung, das beim älteren NTSC-System auftreten konnte, durch eine gezielte Phasenumkehr des Farbsignals bei jeder zweiten Zeile.

Geschichte und Entwicklung des PAL-Systems

Die PAL-Entwicklung begann Anfang der 1960er Jahre. Walter Bruch und sein Team bei Telefunken suchten nach einer Lösung für die Farbfehler des amerikanischen NTSC-Systems. Das Grundprinzip: Die Phase des Farbhilfsträgers kehrt sich bei jeder zweiten Bildzeile um. Dadurch gleichen sich Farbabweichungen im Mittel aus. 1963 stellte Bruch das Verfahren erstmals öffentlich vor.

Am 25. August 1967 startete die ARD das reguläre Farbfernsehen in Deutschland mit diesem Standard. Großbritannien führte das System ebenfalls 1967 ein. Weitere europäische Länder folgten in den Jahren danach. Die PAL-Geschichte zeigt eine rasche Verbreitung über Europa hinaus. Australien, Neuseeland, Südafrika und große Teile Asiens übernahmen die Norm. Der Erfolg beruhte vor allem auf der stabilen Farbwiedergabe und der Rückwärtskompatibilität mit bestehenden Schwarz-Weiß-Empfängern.

Technische Grundlagen und Funktionsweise

Im Zentrum steht die alternierende Phasenumkehr des Farbhilfsträgers (Subcarrier). Das Verfahren trennt das Helligkeitssignal Y vom Farbsignal C. Schwarz-Weiß-Fernseher werten nur das Helligkeitssignal aus und ignorieren die Farbinformation. Der Farbhilfsträger arbeitet mit einer Frequenz von etwa 4.43 MHz.

Die Phasenumkehr bei jeder zweiten Zeile bildet den Kern des Phase-Alternating-Line-Verfahrens. Tritt eine Phasenverschiebung auf dem Übertragungsweg auf, kompensiert das System den Fehler automatisch durch Mittelung benachbarter Zeilen. Das Ergebnis: stabilere Farben als beim NTSC-Verfahren. Die PAL-Norm nutzt 625 Zeilen pro Bild bei 50 Halbbildern pro Sekunde (Interlaced). Die europäische Netzfrequenz von 50 Hz bestimmte diesen Wert. Daraus ergeben sich 25 Vollbilder pro Sekunde. NTSC arbeitet dagegen mit 525 Zeilen und 60 Halbbildern, abgeleitet von der 60-Hz-Netzfrequenz in Nordamerika und Japan.

Varianten: PAL-B/G, PAL-I, PAL-M und PAL-N

PAL-B/G bezeichnet die verbreitetste Variante des Systems. Deutschland, Österreich, die Schweiz und die meisten westeuropäischen Länder setzten diesen Standard ein. PAL-I lief in Großbritannien und Irland mit abweichender Kanalbreite und Tonträger-Frequenz.

PAL-M stellt eine brasilianische Sonderlösung dar: Farbkodierung nach dem Phase-Alternating-Line-Prinzip auf einem 525/60-Unterbau, also mit der Zeilenstruktur des NTSC-Systems. PAL-N arbeitete im 625/50-Umfeld und fand in Argentinien, Uruguay und Paraguay Verbreitung. Diese Mischformen zeigen, dass die Norm nicht als einheitlicher Block existierte, sondern regionale Anpassungen hervorbrachte.

Neben den Broadcast-Varianten taucht der Begriff PAL-60 in der Konsolenpraxis auf. Dabei handelt es sich um ein 60-Hz-Signal mit entsprechender Farbkodierung, das vor allem bei Spielkonsolen und DVD-Playern vorkam. Es galt nicht als offizielle Broadcast-Norm, sondern als Wiedergabehilfe für importierte Inhalte.

Vergleich mit NTSC und SECAM

Gegenüber NTSC bietet die PAL-Norm eine robustere Farbwiedergabe. Die alternierende Phase kompensiert Übertragungsfehler, die beim NTSC-System zu sichtbaren Farbschwankungen führen können. NTSC liefert dafür eine höhere Bildfrequenz von 60 Halbbildern, was Bewegungen etwas flüssiger erscheinen lässt.

SECAM (Séquentiel couleur à mémoire) überträgt die Farbinformation sequentiell statt simultan. Das französische System zeigt ähnliche Robustheit bei Farbfehlern, erschwert aber die Nachbearbeitung und Mischung von Signalen. In der Praxis nutzten viele SECAM-Länder für Aufzeichnung und Produktion intern die PAL-Technik und wandelten erst bei der Ausstrahlung in SECAM um.

🌍PAL, NTSC & SECAM – Interaktives Widget für weltweite TV-Normen

Die Ansicht kombiniert historische TV-Normen, PS2-Marktpraxis und Heimvideo-Einordnung. Farbflächen markieren typische Marktcluster der jeweiligen Epoche.

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Kurzhinweis zur Einordnung
  • Technikbasis: NTSC meist 525/60, PAL und SECAM meist 625/50.
  • Varianten: PAL-M (Brasilien) und PAL-N (u. a. Argentinien/Uruguay/Paraguay) als hybride Sonderfälle.
  • PS2-Praxis: Regionale Fassungen und 50/60-Hz-Anpassungen führten je nach Portqualität zu sichtbaren Unterschieden.

Relevanz und heutige Bedeutung

Digitale Standards wie DVB in Europa und ATSC in den USA haben die Bedeutung des analogen Farbfernsehens stark verringert. Die digitalen Verfahren liefern höhere Bildqualität, effizientere Bandbreitennutzung und Mehrkanalton. Trotzdem bleibt die historische Normlogik für Katalogtitel, Archivmaterial und ältere Hardware relevant. Gerade bei Retro-Content tauchen die Begriffe bis heute regelmäßig auf.

Beim sogenannten Speed-up beschleunigen Sender und Disc-Hersteller Filmmaterial von 24 auf 25 Bilder pro Sekunde. Diese Anpassung ergibt sich aus der 50-Hz-Bildfrequenz des Systems. Der Effekt verkürzt die Laufzeit geringfügig und hebt die Tonhöhe minimal an. Moderne Blu-ray-Player und Streaming-Dienste umgehen dieses Thema durch native 24p-Wiedergabe.

Das Phase-Alternating-Line-Verfahren prägte die europäische Fernsehgeschichte über Jahrzehnte. Der Standard beeinflusste die Heimvideo-Industrie, die Konsolenvermarktung und die internationale Filmdistribution nachhaltig.