Winkler Film: Kultfilme, Raritäten und 4K UHD
Winkler Film – Kultfilme in 4K UHD
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Manche Filme bleiben ein Leben lang in Erinnerung. Nicht unbedingt, weil sie große Preise gewannen oder an den Kinokassen Rekorde brachen. Es sind die Abenteuer aus der Kindheit, eigenwillige Komödien und jene Produktionen, die wir früher immer wieder aus der Videothek nach Hause holten. Winkler Film hat zahlreiche dieser Werke auf DVD und Blu-ray Disc zugänglich gemacht. Doch das österreichische Label hat weitaus mehr zu bieten als nostalgische Unterhaltung: Literaturverfilmungen, Zeichentrickraritäten, außergewöhnliches Autorenkino und inzwischen auch aufwendige Ultra HD Blu-rays. Was steckt hinter dem Unternehmen, wie gut sind seine Veröffentlichungen und welche Kultklassiker stehen als Nächstes an?
Winkler Film: Ein Label für ungewöhnliche Filme und vergessene Klassiker
Die Geschichte von Winkler Film reicht mindestens bis ins Jahr 2005 zurück. Am 7. Februar jenes Jahres erschien Ed Woods Science-Fiction-Kuriosität „Plan 9 from Outer Space“ auf DVD. Die Veröffentlichung enthielt zusätzlich die Dokumentation „Flying Saucers Over Hollywood – The Plan 9 Companion“. Schon diese frühe Titelwahl verrät viel über den Charakter des Labels: Statt ausschließlich auf bekannte Kassenerfolge zu setzen, gab Winkler auch eigenwilligen Produktionen einen Platz im Heimkino.
Ein Jahr später folgte die „Ed Wood Box“. Neben „Plan 9 from Outer Space“ vereint sie unter anderem „Bride of the Monster“ und „Glen or Glenda?“ sowie weitere Arbeiten des amerikanischen Regisseurs. Solche Veröffentlichungen richten sich an Menschen, die Filme nicht allein nach großen Namen auswählen. Für sie zählen ebenso die skurrilen Ideen, die Entstehungsgeschichte und die Möglichkeit, längst vergessene Werke überhaupt wieder ansehen zu können.
Die heutige Winkler Film GmbH entstand 2012 und hat ihren Sitz in Wien. Als Filmvertrieb organisiert das Unternehmen die Auswertung unterschiedlicher Titel auf physischen und teilweise digitalen Medien. Die Alive AG übernimmt seit vielen Jahren den Vertrieb der Editionen in Deutschland. Nicht Winkler selbst presst also die Discs und beliefert jeden Händler, sondern das Label arbeitet mit Partnern für Herstellung und Distribution zusammen.
Ed Wood, „Max und Moritz“ und die fast vergessenen Zeichentrickfilme
Ein Blick auf die älteren Veröffentlichungen offenbart eine bemerkenswerte Auswahl an Zeichentrickfilmen. Am 9. Februar 2007 brachte Winkler „Max und Moritz“ auf DVD heraus. Die Verfilmung nach Wilhelm Busch stammt von John Halas; Heinz Rühmann erzählt die deutsche Fassung. Auch „Hans Huckebein“, gesprochen von Theo Lingen, gehörte zum frühen Programm. Solche Filme besitzen ihren eigenen Reiz, weil sie häufig kaum noch im aktuellen Angebot der großen Studios auftauchen.
Eine weitere Rarität ist Steven Lisbergers „Dschungel-Olympiade“ aus dem Jahr 1979. In der tierischen Sportkomödie, die im Original „Animalympics“ heißt, ersetzen Wettkämpfe das gegenseitige Jagen und Fressen. Winkler veröffentlichte den Film am 10. Mai 2019 auf Blu-ray Disc. Die HD-Fassung enthält ein Interview mit dem Regisseur und eine Bildergalerie. Hinter dem Zeichentrickfilm stehen außerdem Animatoren, die später an bekannten Hollywoodproduktionen arbeiteten.
Auch George Orwells „Animal Farm“ aus dem Jahr 1954 gehört zum Katalog. Die Zeichentrickverfilmung von John Halas und Joy Batchelor erschien bei Winkler auf Blu-ray, begleitet von filmhistorischem Bonusmaterial und einem Booklet. Für ein Label dieser Größe ist die Mischung bemerkenswert: Trashkino von Ed Wood steht neben gesellschaftskritischer Literaturverfilmung und eigenwilligen Animationsklassikern. Genau diese Vielfalt unterscheidet Winkler Film von manchem stärker auf einzelne Genres spezialisierten Anbieter.
Von „Siddhartha“ bis „Petrocelli“: Die andere Seite des Katalogs
Das Label widmet sich keineswegs ausschließlich Horror-, Science-Fiction- oder Fantasyfilmen. Conrad Rooks‘ Hermann-Hesse-Verfilmung „Siddhartha“ (1972) findet sich ebenso im Sortiment wie Emir Kusturicas „Time of the Gypsies – Zeit der Zigeuner“ (1989). Letzteren brachte Winkler am 17. November 2017 auf Blu-ray heraus. Neben der deutschen und der Romanes-Tonspur enthält die Disc ein Regieinterview und ein alternatives Ende. Auch solche weniger alltäglichen Filme erhalten damit eine physische Heimat.
Interessant ist auch Baz Luhrmanns Regiedebüt „Strictly Ballroom“ (1992). Die Blu-ray vom 24. Oktober 2014 bietet neben der neueren deutschen Tonfassung die ursprüngliche Kinosynchronisation. Zusätzlich gehören ein Audiokommentar und ein Making-of zur Edition. Gerade bei Filmen mit mehreren deutschen Synchronfassungen ist eine solche Auswahl keine Selbstverständlichkeit. Sie zeigt, dass Winkler schon vor den aktuellen 4K-Projekten unterschiedliche Fassungen berücksichtigte.
Mit „Petrocelli“ veröffentlichte das Unternehmen am 11. November 2016 sogar beide Staffeln einer amerikanischen Anwaltsserie aus den 1970er-Jahren auf DVD. Hinzu kommen Peter Kosminskys TV-Mehrteiler „Gelobtes Land“ und die Dokumentation „Oskar Werner – Ich durfte am Tisch der Götter sitzen“. Die Bandbreite reicht somit vom Filmklassiker über politische Dramen bis zur nostalgischen Fernsehunterhaltung. Ein ausgesprochen ungewöhnliches Programm für einen Publisher, der inzwischen vor allem mit UHD-Ankündigungen Aufmerksamkeit erhält.
Kultkino auf Blu-ray: Von He-Man bis „Der mit dem Wolf tanzt“
Zu den bekannteren Veröffentlichungen gehört Gary Goddards Fantasyabenteuer „Masters of the Universe“ (1987). Winkler brachte den Film mit Dolph Lundgren und Frank Langella bereits am 25. Oktober 2013 auf Blu-ray Disc heraus. Auch die drei ursprünglichen „Turtles“-Realfilme fanden ihren Weg ins deutsche Blu-ray-Regal. Dazu gesellen sich die Actionkomödien „Auf dem Highway ist die Hölle los“ und „Auf dem Highway ist wieder die Hölle los“. Die Mischung trifft einen Nerv bei Menschen, die mit diesen Kinofilmen aufgewachsen sind.
Ein ganz anderes Publikum spricht Kevin Costners Western-Epos „Der mit dem Wolf tanzt“ an. Im Jahr 2019 veröffentlichte Winkler sowohl die rund 181 Minuten lange Kinofassung als auch den etwa 237-minütigen Extended Cut auf Blu-ray Disc und DVD. Allerdings verteilte das Label die beiden Fassungen auf getrennte Editionen. Die Blu-rays bieten verschiedene Tonspuren und umfangreiches Bonusmaterial mit Dokumentationen und Kommentaren.
Die Auswahl macht deutlich, dass Winkler Film keine einfache Schublade bedient. Neben Produktionen mit hohem Wiedererkennungswert stehen Titel, für die große Studios nur begrenztes Interesse an einer neuen Disc-Veröffentlichung zeigen. Das allein macht jedoch noch keine gute Blu-ray aus. Entscheidend bleibt, wie sorgfältig Bild, Ton, Schnittfassungen und Bonusmaterial in der jeweiligen Edition zusammenfinden.
Wie gut sind Bild, Ton und Extras bei Winkler Film?
Ein außergewöhnlicher Filmkatalog garantiert keine perfekte technische Umsetzung. Bei Winkler Film fallen die Ergebnisse durchaus unterschiedlich aus. Die frühen Blu-rays der „Turtles“-Trilogie erhielten beispielsweise eher durchschnittliche Einschätzungen für Bild und Ton. Auch „Masters of the Universe“ bot 2013 zwar eine ordentliche HD-Präsentation, aber lediglich deutschen Stereoton. Das Ausgangsmaterial und die Möglichkeiten früherer Veröffentlichungen setzen hier Grenzen.
Auf der anderen Seite berücksichtigt das Label immer wieder Extras und Tonfassungen, die bei einer schlichten Wiederveröffentlichung fehlen könnten. Die ursprüngliche Kinosynchronisation von „Strictly Ballroom“, die beiden Fassungen von „Der mit dem Wolf tanzt“ und das filmhistorische Bonusmaterial zu „Animal Farm“ sind Beispiele dafür. Nicht jede Disc bietet denselben Umfang, doch der Blick auf den älteren Katalog zeigt ein wiederkehrendes Interesse an zusätzlichem Material.
Mit den jüngeren UHD-Projekten sind die Ambitionen deutlich gestiegen. Dolby Vision, Dolby Atmos und bisher seltene Schnittfassungen stehen zunehmend auf den Ankündigungslisten. Wie gut eine fertige UHD Blu-ray tatsächlich aussieht und klingt, entscheiden allerdings das Master, das Encoding und die Tonbearbeitung. Deshalb lohnt sich auch bei Winkler der Blick auf den einzelnen Titel. Eine pauschale Referenzqualität für sämtliche Veröffentlichungen lässt sich aus dem bisherigen Programm nicht ableiten.
„Crocodile Dundee“: Zwei 4K-Restaurierungen mit einem Haken
Am 13. November 2025 brachte Winkler die beiden Abenteuerkomödien „Crocodile Dundee – Ein Krokodil zum Küssen“ (1986) und „Crocodile Dundee II“ (1988) auf Ultra HD Blu-ray heraus. Die beiden Filme mit Paul Hogan bieten restaurierte 4K-Bilder mit Dolby Vision und HDR10 sowie deutsche und englische Dolby-Atmos-Tonspuren. Parallel erschienen DVD- und Blu-ray-Editionen.
Die UHD-Neuveröffentlichungen erhielten positive Kritiken für die verbesserte Schärfe, den Detailreichtum und die Farbdarstellung. Beim ersten Abenteuer ergänzt die rund 87-minütige Dokumentation „Love of an Icon – The Legend of Crocodile Dundee“ das Bonusmaterial. Sie beleuchtet die Entstehung des Kinoerfolgs und lässt Beteiligte zu Wort kommen. Damit bietet Winkler deutlich mehr als eine neue Verpackung für einen bekannten Film.
Ein Kritikpunkt bleibt jedoch bestehen: Die erste UHD enthält ausschließlich den sogenannten „Encore Cut“. Gegenüber der früheren internationalen Kinofassung fehlen rund drei Minuten. Gerhard Winkler erklärte, dass das Label auch die ursprüngliche Fassung anbieten wollte, die Rechteinhaber jedoch nur die neue Version freigaben. Das schmälert für manche Filmliebhaber den Reiz der Edition, obwohl ihre technische Präsentation weitgehend überzeugt.
„Turtles“: Drei Kindheitsklassiker feiern ihre 4K-Premiere
Am 26. November 2026 folgen die drei ursprünglichen Realfilme „Turtles – Der Film“ (1990), „Turtles II – Das Geheimnis des Ooze“ (1991) und „Turtles III“ (1993) erstmals in Deutschland auf Ultra HD Blu-ray. Winkler kündigt Dolby Vision, HDR10 sowie deutsche und englische Dolby-Atmos-Tonspuren an. Damit erhalten die Abenteuer der vier mutierten Schildkröten eine deutlich umfangreichere technische Ausstattung als bei ihren früheren Blu-ray-Veröffentlichungen.
Beim Ton geht Winkler einen ungewöhnlichen Weg. Für die deutsche Sprache sind zwei Dolby-Atmos-Varianten vorgesehen. Eine Fassung enthält zusätzliche Comic- und Slapstick-Geräusche, während die sogenannte „Authentic-Fassung“ darauf verzichtet. Hinzu kommt eine neue deutsche Synchronisation bislang nicht eingedeutschter Szenen des ersten Films. Damit können Zuschauer erstmals die vollständige Fassung mit durchgängigem deutschem Dialog verfolgen.
Mediabook und Cover B: Diese „Turtles“-Editionen sind geplant
Das limitierte „Turtles“-Trilogie-Mediabook vereint alle drei Filme auf drei UHD Blu-rays. Es enthält außerdem ein 40-seitiges Booklet von Tobias Hohmann, Audiokommentare, entfernte Szenen, ein alternatives Ende und weiteres Bonusmaterial. Zusätzliche reguläre Blu-rays gehören nicht zum Inhalt dieser Edition. Wer beide Formate haben möchte, findet stattdessen bei den Einzelveröffentlichungen entsprechende Kombipakete.
Neben den regulären Cover-A-Versionen erscheinen die drei Filme einzeln im UHD Keep Case mit alternativen Cover-B-Artworks. Die Varianten enthalten jeweils eine Ultra HD Blu-ray und eine Blu-ray Disc. Mehr zu den alternativen Artworks steht in unserem Bericht zu den „Turtles“-Cover-B-Editionen. Die einzelnen Filmprofile zu „Turtles – Der Film“ (Cover B), „Turtles II“ (Cover B) und „Turtles III“ (Cover B) zeigen die jeweiligen Editionen.
„Masters of the Universe“: Eine seltene Schnittfassung auf 4K UHD
Für den 8. April 2027 plant Winkler ein weiteres umfangreiches Projekt. Gary Goddards Fantasyfilm „Masters of the Universe“ (1987) mit Dolph Lundgren als He-Man und Frank Langella als Skeletor feiert seine deutsche UHD-Premiere. Neben der bekannten Kinofassung enthält die Neuveröffentlichung den seltenen „Extended Preview Cut“. Diese alternative Fassung ergänzt rund vier Minuten Filmmaterial mit zusätzlichen Szenen und Einstellungen.
Winkler lässt die bislang fehlenden Passagen auf Deutsch nachsynchronisieren und kündigt für beide Filmfassungen Dolby Atmos in deutscher und englischer Sprache an. Auf Ultra HD Blu-ray sollen Dolby Vision und HDR10 zum Einsatz kommen. Damit reicht die Ausstattung deutlich über die frühere Blu-ray von 2013 hinaus, die noch deutschen Stereoton enthielt. Ob das neue Master auch qualitativ überzeugt, zeigt erst die fertige Disc.
Das 4K-Mediabook mit vier Discs enthält beide Fassungen jeweils auf Ultra HD Blu-ray und Blu-ray Disc. Alternativ erscheint ein Set mit zwei UHD Blu-rays. Darüber hinaus plant Winkler eigenständige Blu-ray- und DVD-Editionen. Weitere Einzelheiten erläutert unser Bericht über den „Masters of the Universe“ Extended Preview Cut.
Warum Winkler Film einen genaueren Blick verdient
Vom frühen Ed-Wood-Programm über Zeichentrickraritäten bis zu umfangreichen UHD-Veröffentlichungen hat sich Winkler Film einen eigenständigen Platz im Heimkino erarbeitet. Das Label berücksichtigt Filme, die bei größeren Anbietern nicht immer ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Zugleich zeigen die neuen „Turtles“- und „Masters of the Universe“-Projekte einen Aufwand bei deutschen Tonfassungen, zusätzlichen Szenen und unterschiedlichen Editionen, den man nicht bei jeder Veröffentlichung erwarten darf.
Natürlich verdient nicht jede Winkler-Blu-ray dieselbe Bewertung. Ältere Titel besitzen mitunter technische Schwächen, und selbst die 4K-Neuveröffentlichungen können bei den Schnittfassungen Wünsche offenlassen. Dennoch liegt der Reiz des Unternehmens in der Mischung aus ungewöhnlicher Filmauswahl und dem Versuch, vertraute Werke mit neuen Inhalten zurückzubringen. Für Liebhaber von Filmperlen abseits des Mainstreams bleibt deshalb spannend, welche Titel Winkler Film als Nächstes entdeckt. (fp)